Liebe Bläserinnen und Bläser,
Wozu sind wir eigentlich da? Wofür gibt es, wofür braucht man Posaunenchöre?
Das sind gefährliche, grundsätzliche Fragen. Wer sie stellt und keine überzeugende Antwort weiß, stellt unsere Existenz in Frage.
Wer sie aber aus Angst, keine Antwort zu wissen, verdrängt und einfach irgendwie weiter macht, wird unserer Verantwortung nicht gerecht. Verantwortung wird nur dann wahrgenommen, wenn jemand fragt und Antworten hören will.
Eine Antwort auf diese Frage Wozu sind wir da? gibt mir der Apostel Paulus im Predigttext zum kommenden 3. Adventssonntag: Römer 15, 6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Das klingt vertraut. Gott loben, das ist unser Amt. - das ist Grundlage unseres Musizierens im Posaunenchor.
Die Zielbestimmung des Paulus geht aber über das saubere Blasen von Lobe den Herren weit hinaus: Einmütig mit einem Munde Gott zu loben, bedeutet, gemeinsam Grund zum Lob Gottes zu haben, miteinander Erfahrungen mit Gott zu machen.
Einmütigkeit bedeutet mehr als sich demokratisch und mehrheitlich zu einigen oder das zu tun, was Chorleiterin oder Chorleiter sagen. In der praktischen Zusammenarbeit ist das immer wieder notwendig und richtig.
Einmütigkeit geht aber tiefer, ins Gemüt. Das bedeutet, dass allle dasselbe wollen - nämlich Gott loben, Freude, Dank, Anerkennung und Zufriedenheit laut werden lassen.
Nicht immer ist allen danach zumute. Viele Erfahrungen lassen uns eher klagen und bitten als loben. Auch im Posaunenwerk gab es im zurückliegenden Jahr manchen Grund dazu. Auch für diese Zeiten und Erfahrungen ist die Musik ein gutes Ausdrucksmittel.
Aber unser Ziel und unsere Aufgabe bleibt, einmütig Gott zu loben.
Gemeinsam sollen wir daran arbeiten, dass wir Grund haben, Gott aus ganzem Herzen zu loben.
Einmütigkeit können wir nur erreichen, wenn wir uns gegenseitig fragen und antworten: Was willst Du? Was bedeutet dir das Blasen? Warum bist du hier Die Antworten sind sehr verschieden. Für Manche steht die Freude an der Musik im Vordergrund, für andere die Verkündigung oder die Gemeinschaft oder die Gelegenheit, in der Gemeinde etwas sinnvolles zu tun, was anerkannt wird. Alle diese Antworten sind wahr und richtig.
Nicht immer sind alle einer Meinung und nicht alle fühlen dasselbe. Manche Unterschiede im musikalischen Geschmack, in der Leistungsfähigkeit oder auch in der Bereitschaft, Zeit einzubringen, sind schwer miteinander zu vereinbaren.
Um einmütig zu werden, müssen die Verschiedenheiten zunächst ausgesprochen und ertragen werden. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, verschiedene Antworten zuzulassen und dennoch im Gespräch und in der Musik ein gemeinsames Ziel zu suchen. Auch das ist Lob Gottes, wenn wir über unsere Ziele nachdenken und reden.
Das Ziel ist die Einmütigkeit - das tiefe und sichere Vertrauen, dass wir dem einen Gott alles im Leben verdanken und alle in gleicher Weise von ihm geliebt und beauftragt sind.
Über alle Unterschiede, Auseinandersetzungen und Rückschläge hinweg eint uns diese gemeinsame Aufgabe: Einmütig Gott zu loben.
Immer wieder ist das unser Ziel mit den Posaunenchören in den Gemeinden, mit den Bezirkschören und Auswahlensembles, in den Beratungen der Gremien, in Kursen und Freizeiten und auf Festen und Posaunentagen: Unsere verschiedenen und gemeinsamen Erfahrungen mit Gott im vielfältigen Loblied laut werden lassen und verkündigen. Unsere Gemeinschaft und unsere Musik sollen ein Abbild von Gottes Liebe zu allen Menschen sein.
Das soll auch für das neue Jahr unser Ziel und unsere Aufgabe sein.
Ich grüße Sie alle recht herzlich zum Weihnachtsfest 1999 und wünsche Ihnen, dass Sie den Frieden auf Erden in Ihren Familien und Gemeinden selbst erfahren dürfen.
Ich hoffe, vielen von Ihnen im nächsten Jahr wieder zu begegnen bei der gemeinsamen Aufgabe.
Herzlichst Ihre
Susanne Holz-Plodek