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Posaunenchor Merzhausen – Chronik

Aller Anfang ist schwer

Die Kirchenchronik von Merzhausen berichtet bereits 1902, dass Pfarrer Weyel die Gründung eines Posaunenchores beabsichtigte. Doch leider erfahren wir nicht, warum dieses Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt werden konnte.

Erst ein halbes Jahrhundert nach diesem ersten Anlauf, im Jahr 1955, griff man erneut diesen alten Plan auf. Willkommenen Anlass boten die von Dekan Rübsamen ins Leben gerufenen Feldberggottesdienste. Die Idee, einen Posaunenchor auf die Beine zu stellen, der die Aufgabe bekommen sollte, dort zur Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde zu blasen, ließ fortan Pfarrer Erich Schneider nicht mehr ruhen. Da entdeckte er eher zufällig, dass der damalige Wilhelmsdorfer Lehrer Ellringmann Tenorhorn blies. Ellringmann war auch zur Leitung eines Posaunenchores bereit. Doch der Anfang war schwerer als man bedacht hatte. Im gesamten Bereich des Hintertaunus gab es zu dieser Zeit keinen Posaunenchor, bei dem man sich Rat und Hilfe hätte holen können. Wo sollte man Instrumente, Notenbücher, Notenständer und Notentaschen herbekommen?

Niemand wusste auch von der Existenz eines „Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland“. Doch dann erfuhr man von einer Geschäftsstelle des Posaunenwerkes in Roßdorf bei Darmstadt. Pfarrer Schneider und Lehrer Ellringmann sprachen dort persönlich vor und brachten auch von dieser Fahrt sogleich gebrauchte Instrumente und Bläserfibeln für den Anfang mit. Zwei Instrumente konnten bei „Herre Liese“ in Merzhausen geliehen werden, eines war in Wilhelmsdorf vorhanden und ein weiteres konnte in Riedelbach gekauft werden.

Lehrer Ellringmann konnte inzwischen in Wilhelmsdorf die damals 11 und 16 Jahre alten Hans Zipser, Horst Zingel, Lothar Dörr-Kling, Horst Ellringmann und Walter Fuchs gewinnen. Pfarrer Schneider hatte in Merzhausen Reinhold Schlicht, Reinhold Henrich, Erwin Reuter, Helmut Reuter und Gerlach Schneider für den Posaunenchor begeistern können.

Die Chorarbeit wurde dann am 17.Januar 1955 aufgenommen. Der Chor erhielt den Namen „Dekanatsposaunenchor Merzhausen“. Die Merzhäuser Buben fuhren den gesamten Winter über zu den Übungsstunden in die Schule nach Wilhelmsdorf. Auf Skiern und Fahrrädern wurde mancher Sturz gedreht und dabei so manches Instrument verdrückt. Im Ostergottesdienst 1955 wagte man den ersten Einsatz des Chores in der Merzhäuser Kirche. Unter der Orgelempore mit den Barockfiguren des die Harfe spielenden Königs David und den beiden Posaunenengeln erklangen die ersten Choräle.

Wenn man bedenkt, dass es nur ein viertel Jahr gedauert hat bis der Chor den ersten Choral spielen konnte, so war das schon eine beachtliche Leistung. Der erste Choral war übrigens „Wunderbarer König“.

Dem ersten Chorleiter Heinz Ellringmann folgten Lehrer Weinbrenner und im Jahre 1957 die Pfarrersfrau Erna Schneider, eine von damals nur drei weiblichen Chorleiterinnen in Hessen! In den ersten Jahren trat der Chor oft als Dekanatsposaunenchor auch außerhalb der Gemeinde auf so wie z.B. bei vielen Feldberggottesdiensten wie hier im Bild auf dem Brunhildisfelsen.

Vordere Reihe v.links:
Helmut Reuter, Reinhold Schlicht, Gerlach Schneider, 
Edgar Engers,
Joachim Schultheis<br>
Hintere Reihe v.links:
Erwin Reuter, 
Karl-Heinz Schultheis, Reinhold Henrich,
Werner Langenbächer
Vordere Reihe v.links: Helmut Reuter, Reinhold Schlicht, Gerlach Schneider, Edgar Engers, Joachim Schultheis
Hintere Reihe v.links: Erwin Reuter, Karl-Heinz Schultheis, Reinhold Henrich, Werner Langenbächer

Im Jahre 1968 übernahm Reinhold Schlicht die Chorleitung. Er hat in den darauffolgenden 30 Jahren den Chor durch sein unermüdliches Engagement entscheidend mitgeprägt. In dieser Zeit wurden neben vielen Einsätzen innerhalb der Gemeinde auch die „Altenfeier“ und die Sonnwendfeier ins Leben gerufen. Bei seinen zahlreichen Ausflügen knüpfte der Posaunenchor auch viele Kontakte zu anderen Chören u.a. zu den Partnergemeinden in Kusey in der damaligen DDR oder nach Valburg in Holland und nach Dittenheim im Frankenland.

Heute besteht der Chor aus 13 Bläserinnen und Bläsern. Daneben gibt es noch 5 Jungbläser die in der Ausbildung sind.